1.Männer bestehen Bewährungsprobe gegen Essen II

Veröffentlicht am1. Februar 2015

von marcus

Das Match gegen die wegen der WM-Pause mit Bundesligaprofis verstärkte Zweitvertretung von TuSEM Essen stellte unsere 1.Männermannschaft am vergangenen Wochenende vor eine schwere Aufgabe. Die die Mannen von ATV-Coach Achim Schürmann jedoch bravourös meisterten. Nach einer temporeichen und absolut ausgeglichenen ersten Hälfte, machte der ATV in den zweiten 30 Minuten einen insgesamt mannschaflich geschlosseneren Eindruck, ließ in seiner Konzentration nie nach und war vor allem wurfegewaltig treffsicher. So bestanden unsere Männer mit 40:34 (17:16) Toren am Ende auch den Härtetest gegen starke Essener und bleiben so mit sechs Punkten Vorsprung weiterhin Spitzenreiter der Oberliga Niederrhein.

Schürmann sieht beste Viertelstunde der Saison
Handball-Oberliga Männer: Tabellenführer TV Aldekerk zwingt die Zweitvertretung von TuSEM Essen mit 40:34 (17:16) in die Knie.
VON REINHARD PÖSEL

ALDEKERK In Nieukerk, wo der ATV am Slousenweg seine Heimspiele austrägt, musste man sich am Samstagabend entscheiden: Entweder Männer-Handball des Oberliga-Tabellenführers TV Aldekerk gegen die Zweitvertretung von TuSEM Essen oder Karnevalssitzung des Männergesangvereins im Adlersaal. Die ersten zehn Minuten der Parallelveranstaltungen dürfte unbesehen an die Narren gegangen sein. Das war die Phase des Spiels, in der die Aldekerker Handballer mit „zu viel Respekt vor den jugendlichen Essenern“ auftraten, wie Trainer Schürmann nach dem Spiel bekannte.

Als die Mannschaft aus der Ruhrmetropole, in deren Kader vier U23-Spieler standen, die auch zur Besetzung der Zweitligamannschaft ihres Vereins gehören, mit leichten Toren das Ergebnis auf 6:4 ausbaute, zog der Aldekerker Coach die Reißleine. Die Auszeit von 60 Sekunden gab ihm die Gelegenheit, seinen Spielern über die zunächst verweigerte Hürde zu helfen. Zudem rückte jetzt Tobias Culm in die Abwehr und gab mit seinem körperbetonten Abwehrverhalten gegen den bis dahin treffsicheren Jonas Ellwanger seinen Mitspielern die zukünftige Linie in der Deckung vor. „Was der Tobi in der Abwehr geleistet hat und später dann auch im Angriff, war für uns heute enorm wichtig“, verteilte Schürmann nach dem Spiel ein dickes Kompliment.

Durch die gesamte Aldekerker Mannschaft ging ein Ruck. Sie funktionierte jetzt viel besser und stellte sich dem Kampf mit den Handballern von der Margarethenhöhe. „Die zweite Viertelstunde im ersten Durchgang war das Beste, was ich von meiner Mannschaft in dieser Saison gesehen habe“, stellte Schürmann fest, der neben der Einwechslung von Culm auch mit dem Torwartwechsel auf Florian Lindenau ins Schwarze traf. Mit jeder Minute, die das Spiel jetzt andauerte, kam immer mehr Leidenschaft in das Aldekerker Spiel, dazu wurde die Konzentration hoch gefahren, Bälle von der Abwehr geblockt oder durch den Torwart gehalten. Parallel dazu zeigten die Essener allzu menschliche Qualitäten, indem sie einige Bälle im Angriff wegwarfen – sie gingen übers Tor oder ins Seitenaus.

Die Folge all dessen: der ATV hatte zum Seitenwechsel das Heft wieder in die Hand bekommen und mit 17:16 knapp die Nase vorne. Die Begegnung wogte jetzt hin und her, der Spannungsbogen wurde größer, zunächst konnte sich keine Mannschaft mit mehr als einem Tor absetzen. Spätestens jetzt dürfte die Karnevalsveranstaltung im Adlersaal ins Hintertreffen geraten sein. „Das war echter Männer-Handball“, sagte Schürmann, der die beiden Schiedsrichter ausdrücklich lobte, das durchaus körperbetonte Spiel nicht mit unnötig vielen Entscheidungen und Zeitstrafen kaputt gepfiffen zu haben.

Weil das alles nicht passierte, erlebten die Zuschauer ein packendes Duell zweier Mannschaften, die einen ausgesprochen feinen und sehr unterhaltsamen Oberliga-Handball demonstrierten. Auf Aldekerker Seite brach jetzt die große Zeit von Rechtsaußen Tobias Dickel an, der zunächst zwei vom Essener Keeper abgewehrte Bälle im zweiten Versuch verwertete. Wenig später schlich er sich schlitzohrig nach Ablauf einer Zeitstrafe hinter die gegnerische Linien, spekulierte auf die Abwehr von Keeper Lindenau und dessen langen Pass, den er auch prompt erhielt und im TuSEM-Kasten unterbrachte. Drei Momente des Aldekerker Linkshänders, für den es danach kein Halten gab und der mit neun Toren aus dem Spielverlauf heraus erfolgreichster Torschütze seiner Mannschaft wurde. Zwischendurch hatten Lukas Hüller, Can Greven und Christoph Kleinelützum gute Szenen. Vieles passte beim ATV, ehe das Spiel innerhalb von drei Minuten auf die Seite des Gastbers kippte. Zunächst brachte Fabian Schneider seine Mannschaft auf 26:25 in Front, im Gegenzug verfehlte Essens Mittelmann Marvin Leisen das Aldekerker Tor, dann gab Culm am gegnerischen Kreis mit einem herrlichen Anspiel auf Jonas Mumme diesem die Möglichkeit, auf 27:25 zu erhöhen, bei dem darauf folgenden Essener Angriff zog Culm ein Stürmerfoul und brachte seine Mannschaft erneut in Ballbesitz, den Can Greven trocken und hart zum 28:25 nutzte. Den Schlusspunkt dieser vorentscheidenden Phase setzte dann wieder Schneider, der auf 29:25 erhöhte. Die Essener vermochten den Aldekerker Vorsprung zwar immer mal wieder um ein Tor zu verkürzen, doch mehr ließen die jetzt bärenstark auf der Platte arbeitenden Aldekerker nicht zu. In der Schlussphase bauten sie das Ergebnis noch auf 40:34 aus.

Nur bei einem Aldekerker wollte keine Freude aufkommen. Thomas Jentjens hatte einen gebrauchten Tag erwischt. Er hatte mit seinen Würfen einfach kein Glück und meinte nach dem Spiel nur: „Sprecht mich bloß nicht an.“

Statistik
Tobias Dickel versenkt die Kugel neun Mal

ATV: Thommessen (1.-15.), Lindenau (15.-60.) – Dickel (9), Schneider (7/2), Greven (7), Kleinelützum (6), Hüller (4), Mumme (4), Culm (2), Jentjens (1), Tebyl, Rampyapedi, Kempmann.

TuSEM-Torschützen: Schlüter (10), Leisen (7), Beyer (6/1), Sayin (4), J. Ellwanger (3), Hahn (2), L. Ellwanger (1), Schroer (1).

Nächstes Spiel: Bergischer HC II – TV Aldekerk (Sa., 19 Uhr).

Publikation          Rheinische Post Verlagsgesellschaft mbH
Lokalausgabe      Rheinische Post Geldern
Erscheinungstag  Montag, den 02. Februar 2015
Seite                  23

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