Hexenkessel? Ja. Nervenkitzel? Ja. Meister? Jawoll!

Veröffentlicht am14. März 2015

von marcus

Was für ein Match. Die 1.Männermannschaft des ATV konnte mit einem Heimsieg gegen die HG Remscheid die Niederrheinmeisterschaft vorzeitig klar machen. Eigentlich nicht unbedingt eine Mammutaufgabe gegen den aktuellen Tabellenletzten der Liga, aber eben nur eigentlich. Remscheid präsentierte sich kämpferisch, wollte gegen den Tabellenführer die Punkte nicht einfach verschenken und brachte den ATV ein ums andere Mal in Verlegenheit. In einem ganz engen Match mit zahlreichen vergebenen Torchancen auf beiden Seiten, war das Team von Achim Schürmann am Ende das glücklichere. Nach einem 15:15 Halbzeitstand siegte der Turnverein letztlich denkbar knapp mit 34:33 Treffern und steht damit als Niederrheinmeister fest. HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH!

März-Meister – noch eher als die Bayern
Vier Spieltage vor Saisonschluss ist es amtlich. Die Oberliga-Handballer des TV Aldekerk sind nicht mehr von der Tabellenspitze zu verdrängen. Beim 34:33 (15:15)-Sieg gegen die HG Remscheid taten sie sich jedoch enorm schwer.
VON REINHARD PÖSEL

ALDEKERK Die Saison ist gekrönt. So wie es sich die Oberliga-Handballer des TV Aldekerk vor heimischer Kulisse ausgemalt hatten. Im 22. Spiel wurde der 20. (!) Sieg eingefahren. Doch dazu mussten sie gegen die HG Remscheid einen verdammt steinigen Weg zurücklegen, ehe der hauchdünne 34:33 (15:15)-Erfolg feststand. Als der Remscheider Andre Niese nach der Schlusssirene den letzten Freiwurf des Spiels in den Block gehämmert hatte, brachen bei den Aldekerker Spielern und Verantwortlichen die Dämme. Das 60 Minuten lange Zittern im Spiel gegen den Tabellenletzten hatte ein Ende gefunden.

Zunächst gab es den schon obligatorischen Hochzeitsmarsch, mit dem die Aldekerker Mannschaft jeden ihrer bisherigen Saisonsiege gefeiert hat. Anschließend lagen sich Spieler und Trainer in immer wieder wechselnden Konstellationen in den Armen. „März-Meister“, rief Achim Schürmann aus. „Eher noch als die Bayern“, suchte der ATV-Coach als bekennender Anhänger der Münchener Fußballer die Nähe zu den ganz Großen des Sports. Und während die Spieler tanzten und hüpften oder sich in einem Knäuel übereinander stapelten (wohl zum Leidwesen der Untermänner Can Greven und Fabian Schneider), lieferte Queens Freddy Mercury mit der legendär gewordenen Meisterhymne „We are the champions“ das passende musikalische Beiwerk. Irgendwann am Abend ließ man auch noch die „Hosen“ von der Leine. An Tagen wie diesen, da wünschte man sich Unendlichkeit – eine Liedzeile, die wie gemacht schien für den frisch gekürten Meister, der trotz des Titels noch nicht am Ziel sei, wie später am Abend häufig zu hören war.

Zum einen stehen noch vier Spiele in der Liga aus – gewissermaßen die Pflicht in Vorst, in Haan sowie zu Hause gegen Langenfeld und Hiesfeld. Und hintendrauf wartet dann noch die Kür mit zwei Spielen im finalen Modus gegen den Mittelrheinmeister, der nach jetzigem Stand der Longericher SC ist. Bis dahin gelte es, die Spannung hoch zu halten und in jedem Spiel gegen einen möglichen Schlendrian anzuarbeiten“, sagte Schürmann.

Wer mitbekommen hat, wie sich die Aldekerker Spieler über die Niederrheinmeisterschaft freuten, blieb nicht verborgen, dass die Spieler noch ein paar Körner aus dem überquellenden Freudenbecher zurückhielten, um sie im Falle eines Aufstiegs hervor zu holen. Vielleicht zaubert dann ja auch noch mal Tobias Dickel, der wegen Rückenbeschwerden den bisher letzten Sieg seiner Mannschaft nur von der Bank aus mitverfolgen konnte, den aufblasbaren Henkelpott hervor. Eine goldene Nachbildung des Champions-League-Pokals, den Lukas Hüller am Samstagabend gar nicht mehr aus der Hand geben wollte. Ein richtiges Glückskind sei er, meinte ein Aldekerker Anhänger: Im vergangenen Jahr mit dem TV Lobberich in die Oberliga aufgestiegen und jetzt mit dem ATV Niederrhein-Meister mit der durchaus erreichbaren Option des Drittliga-Aufstiegs.

Daneben gibt es noch andere Aspekte, von denen die Spieler dieser Aldekerker Mannschaft erzählen könnten. Man denke an Tobias Culm, Christoph Kleinelützum und Nils Wallrath, die in den vergangenen zehn Jahren von immerhin drei Niederrhein-Meisterschaften erzählen können, die sie im Dress des ATV errungen haben. Zweimal erfolgte sogar der Sprung in die Regionalliga beziehungsweise späteren 3. Liga. Alle drei sind trotz ihres Alters jenseits der 30 noch heiß genug, um den dritten Aufstieg auch noch auf ihre Fahnen schreiben zu wollen. Eine weitere Episode könnte sich mit dem A-Jugendlichen Gabriel Pasquesi beschäftigen, der gleich bei seinem ersten Ligaeinsatz in dieser Saison Meister wurde. Im Spiel gegen Remscheid nahm er Mitte des ersten Durchgangs den Platz von Christian Thommessen im Tor des ATV ein. In einer Phase des Spiels, in der Trainer Schürmann eine Menge ausprobierte, um seinen Spielern zu helfen. In der Abwehr war es zwar nicht ganz so entscheidend wie im Angriff. Dort verfolgten die Remscheider einen klaren Plan, indem sie die ansonsten auf Aldekerker Seite fein inszenierten und mit Tempo versehenen Angriffszüge ständig unterbrachen. Pfeilartig lösten sich die FCR-Abwehrspieler vom Kreis, attackierten den ballführenden Spieler und riegelten gleichzeitig mögliche Anspielstationen ab. Das machten sie sehr konsequent und enorm erfolgreich.

So wogte die Partie ständig hin und her. War der ATV mal zwei, drei Tore weg, dauerte es nicht lange, bis Remscheid wieder Augenhöhe erreicht hatte. Für den Tabellenführer war das eine neue Erfahrung. Für die wieder einmal zahlreich gekommenen Anhänger des ATV auch. Am Ende war jedoch alles wie immer: gejubelt hat die Heimmannschaft.

Statistik
Rampyapedi trifft acht Mal aus dem Spielverlauf

TV Aldekerk: Thommessen, Pasquesi – Rampyapedi (8)Schneider (7/1), C. Greven (5), Jentjens (4), Mumme (3), Culm (2), Kleinelützum (2), Wallrath (1), Hüller (1), Kempmann (1), Küsters, Tebyl.

Beste HGR-Torschützen: Lewandowski (8), Kachelmeier, Baier, Pütz (je 4), Jänichen, Saalmann, Niese (je 3).

Nächstes Spiel: TV Vorst – ATV (Sa., 21. März, 19.30 Uhr).
 
Publikation           Rheinische Post Verlagsgesellschaft mbH
Lokalausgabe      Rheinische Post Geldern
Erscheinungstag  Montag, den 16. März 2015
Seite                      21

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